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Erst vorige Woche einigten sich Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, mit den Vertretern der Länder über die Entschädigung für enteignetes jüdisches Gemeindevermögen. Die Länder wollen 250 Mill. S zur Verfügung stellen, der Bund 350 Mill. S. Es handelt sich hierbei also nicht um Geld, um einzelne Personen zu entschädigen, sondern um eine Rückerstattung von Vermögen, das vor 1938 im Besitz jüdischer Gemeinden war. Damals wurden die finanziellen Mittel jüdischer Institutionen von den Nazis beschlagnahmt. Mit der Rückzahlung, die tatsächlich nur einen Bruchteil des enteigneten Vermögens darstellt, wird ein Fonds geschaffen, der laut Hofrat Marco Feingold, Präsident der jüdischen Kultusgemeinde in Salzburg, folgende Funktion hat: "Im Judentum gibt es keine Turnusgräber, die Gräber werden für ewige Zeiten abgegeben. Indem man die Juden in der NS-Zeit vertrieben oder ermordet hat, gibt es heute keine Generation, die diese Gräber erhalten kann. Aufgelassen dürfen sie aus Glaubensgründen nicht werden. Für diese Instandsetzungen wird das Geld jetzt verwendet." Weiters werden mit diesen Geldern Synagogen ausgebaut und alte Menschen, die die finanziellen Mittel für ein Altersheim nicht aufbringen können, unterstützt. Die Aufgaben der Kultusgemeinde "Aufgabe der Kultusgemeinde ist, innerhalb der durch die Staatsgesetze gezogenen Grenzen für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu sorgen und die durch diesen Zweck gebotenen Anstalten zu erhalten und zu fördern." So steht es in den Statuten der Kultusgemeinde, die heute zwischen 70 und 80 Juden umfasst. Die Gemeinde begleitet ihre Mitglieder von der Geburt bis zum Tod und unterweist sie in religiösen und kulturellen Belangen. So werden jüdische Kinder ab dem vierten Lebensjahr von einem Rabbiner im jüdischen Glauben unterrichtet und ein ganzes Leben lang auch darin betreut. Ein Kultusvorstand, bestehend aus fünf Mitgliedern, wird alle drei Jahre von der Gemeinschaft gewählt. Ihm obliegen die Kultusangelegenheiten wie Finanzen und Verwaltung, soziale Angelegenheiten, Kultur und die Öffentlichkeitsarbeit. Die Kultusgemeinde ist eine in sich geschlossene Institution, jedoch mit den anderen Kultusgemeinden in Wien, Innsbruck, Graz und Linz in einem Verband vereint. Neben dem jüdischen Friedhof in Aigen verfügt die Gemeinschaft auch über eine Synagoge. Sie dient dem Gebet und der Abhaltung von jüdischen Festen und Veranstaltungen. Antisemitismus - kein Phänomen von gestern Mit antisemitischen Anfeindungen hat die Kultusgemeinde in Salzburg nur wenig zu tun. "Es gibt zu wenig Juden in Salzburg und diese Wenigen sind so in der Gesellschaft integriert, dass sie gar nicht als Juden erkennbar sind", so Feingold. Es gäbe wohl ab und an "einige Deppen", die Briefe mit Beschimpfungen an Feingold senden, "aber das ist lediglich schade ums Porto". Und dennoch, an den Stammtischen rumort es, unterschwellig und bösartig. Aus einer kürzlich veröffentlichen Studie geht hervor, dass jeder fünfte Österreicher antisemitisch veranlagt ist. Eine Stimmung, die nicht zuletzt auf die Verhetzung diverser geistiger Nacktschnecken zurückzuführen ist, die immer wieder ihren ideologischen Schleim absondern. Der Elfenbeinturm bleibt bewohnt - von Menschen mit Augenbinde und Stirnverband.
(mast)
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