Wenige Minuten nach dem Einsturz des zweiten WTC-Towers am 11. September wurde via CNN bereits über potentielle Verbindungen zu Osama Bin Laden gemutmaßt. Das Wettrennen und das resultierende Anti-Terror-Bündnis rund um die globale Bekämpfung zukünftiger vergleichbarer Ereignisse war eröffnet, noch bevor das Bewusstsein um die Katastrophe sich als solches überhaupt setzen konnte.
Dschihaad als Heiliger Krieg?
Die Berichterstattung stützte sich darauffolgend unter anderem auf den Dschihaad,welcher als "Heiliger Krieg" übersetzt als Motivation gemutmaßt wurde. Abu Bakr Muhammad (islam.at) identifiziert dies jedoch als häufige Fehlinterpretation, da es sich beim Dschihaad grundlegend um "die maximale Anstrengung zur Aufrechterhaltung des Islam" handelt. Und in dieser Eigenschaft hätte der Dschihaad keine bestimmte Erscheinungsform.
"Islam-Terror" mit Vorsicht zu genießen
Zusätzlich werden die Konsumenten von Nachrichtenmedien seit den Terroranschlägen auf das World-Trade-Center und das Pentagon mit einer Unzahl von Abwandlungen der Begrifflichkeiten "Islam", "Fundamentalismus", "Terrorismus" etc. versorgt. Aufgelockert werden diese nicht immer korrekt verwendeten sprachlichen Konstrukte durch Erklärungen, was denn nun korrekt sei und dass die geneigte Leserschaft sich bitte bewusst sein bzw. bleiben müsse, dass es auch "gemäßigte" Muslime gäbe.
So liest und hört man zur Zeit regelmäßig von "dem terroristischen" oder "dem fundamentalistischen" Islam, und es bleibt dem Leser überlassen zu wissen, dass der muslimische Großteil keiner der besagten gewaltbereiten Gruppierungen zuzuordnen ist. Auch ist nicht damit zu rechnen, dass die bei uns lebenden kolportierten 300.000 Muslime darauf brennen, ihre mühsam erarbeiteten Existenzen aufzugeben, um gegen die westliche Welt in einen militanten Dschihaad zu ziehen.
Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Religionsgemeinde in Österreich, weist darauf hin, dass in der Zeit seit den Anschlägen bewusstem Sprachgebrauch erhöhte Bedeutung zukommt. Andernfalls könne leicht der medial des öfteren angeklungene Tenor sich verfestigen, "der Islam" sei im Kampf gegen den Terrorismus eindeutig der Gegner. Diese Sicht würde zu einer noch verstärkten Islamophobie führen.
Was tun?
Obenstehende Beispiele führen auch zu einer Bewusstseinsbildung hinsichtlich der muslimischen Glaubensgemeinschaft, vor allem da das Wissen über den Islam und seine Regeln und Gebräuche in den anderen Gesellschaftsgruppen nicht übermäßig weit verbreitet zu sein scheint.
Den entsprechenden Nachholbedarf belegen die jüngst erscheinenden Dokumentationen und Reportagen zum Themenbereich "Islam".
Somit bleibt abzuwarten, inwiefern der mediale Sprachgebrauch Auswirkungen auf das Miteinander und die Akzeptanz zeigt. Dies gilt insbesonders, da die Muslime seit dem 16. November ihren Fastenmonat Ramadan begehen. Während dieser Zeit werden ihrerseits in vielen Moscheen Fastenprediger zu Gast sein und auf die aktuelle Situation eingehen.
(tn)