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Eine Reportage von Thomas Neurauter, Mario Steidl und Waltraud Leobacher
Der Salzburger Christkindlmarkt
Geht man über die Staatsbrücke in die Getreidegasse, hält sich dort links und überquert den Alten Markt , dann kommt man zu Friede, Freude, Weihnachtsdeko, die alljährlich Tausende Touristen, aber auch Einheimische anlockt: dem original Salzburger Christkindlmarkt, der in seiner Form sicher zu einem der schönsten der Welt zählt, vor allem durch seine unvergleichliche Lage in der Fußgängerzone in der seit Jahrhunderten gleich gebliebener Umgebung von Dom und Residenz.
Schausberger schwärmt davon als einer "für mich nicht wegzudenkenden Einrichtung, ja nahezu schon gelebten Tradition."
Schaden sieht den Weihnachtsmarkt als Treffpunkt, vor allem für Besucher von ausserhalb der Stadt, während Schwaighofer zwei bis dreimal durchspaziert, um vielleicht doch etwas davon zu spüren, was ein Christkindlmarkt im Advent vermitteln soll. "Nur selten aber spür ich's."
Besinnlichkeit
Abseits vom Alten Markt und Residenzplatz sind die Salzburger zu finden, die Weihnachten genau das Gleiche machen wie den Rest des Jahres: arbeiten und einkaufen. Im Einkaufszentrum "Airport Center" ist im doppelten Sinne viel los; einerseits rollen die letzten Schillinge über den Ladentisch, andererseits herrscht hier arbeitsmässig Hochsaison. Die meisten VerkäuferInnen bekommen im Dezember ausser sonntags nicht frei und finden umso weniger Zeit, sich um ihre eigene Besinnlichkeit zu kümmern, von den Weihnachtsgeschenken für ihre Lieben ganz zu schweigen. Barbara, 27, steht von halb neun Uhr morgens bis halb acht Uhr abends mit einer Stunde Mittagspause im Modeladen. "Weihnachten ist für mich die schlimmste Zeit im Jahr", meint sie.
Besinnlichkeit fehlt in Barbaras Leben. Wie sieht es aber mit der vorweihnachtlichen Besinnlichkeit bei unserem Landeshauptmann aus? Schausberger dazu: "Die Besinnlichkeit vor Weihnachten wäre etwas sehr wichtiges und wünschenswertes. Als Landeshauptmann habe ich mich damit abgefunden, dass die Vorweihnachtszeit für mich nicht jene Ruhe und Besinnlichkeit bringt, die ich mir persönlich wünschen würde." Auch für Schaden findet Besinnlichkeit kaum statt. Schwaighofer räumt der Besinnlichkeit einen höheren Stellenwert ein, als derzeit möglich ist, wenn man nicht ganz bewusst dem ganzen Theater und Rummel fernbleibt.
Kommt denn überhaupt Freude auf?
Die Verkäuferin Barbara freut sich auf ihren Urlaub. "Ich hab für den 23. für eine Woche Dominikanische gebucht, mit meiner Freundin, die ist Friseuse hier. Das hatte ich lang nicht mehr, Urlaub nach Weihnachten? meist ging nach den Feiertagen gleich der Umtausch-Stress weiter. Heuer geht sich das super aus, die Feiertage fallen genial!"
Schausberger freut sich nach der Hektik "umso mehr auf die Tage der Ruhe während der Feiertage im Kreise meiner Familie, die ich jedes Jahr aufs neue geniesse." Er feiert die unmittelbare Zeit rund um den Heiligen Abend Im Kreise der Familie, möglichst ruhig und einfach mit dem was dazugehört: der Adventkranz, zur Christmette gehen, gemeinsam das Weihnachtsevangelium lesen, gemeinsam Weihnachtslieder singen und die Krippe aufstellen.
Schaden freut sich auf den späten Nachmittag des 24.12., "wenn endlich der ganze Rummel vorbei ist."
Nur bei Schwaighofer kommt keine Freude auf. Er nimmt mit immer noch größerem Ärger wahr, dass es "um Konsum, Konsum, Kaufen, Kaufen, Kaufen geht."
Kaufen - darf´s ein bisserl mehr sein?
Bürgermeister Schaden erledigt seine Weihnachtseinkäufe bevorzugterweise im Stadtzentrum, wohingegen es für Landeshauptmann Schausberger "gar nicht so einfach" ist, die Besorgungen zu erledigen. Er nutzt die Zeit weiträumig im Voraus, um in Stadt und Land Salzburg fündig zu werden. Dies liegt auch darin begründet, dass "der Gang durch überfüllte Einkaufszentren" nicht unbedingt seiner Vorstellung entspricht.
Pragmatisch hält es Cyriak Schwaighofer, der vor Weihnachten ganz bewusst nichts kauft und diese Haltung mit Freunden und Familie im Einverständnis so geregelt hat. Sein Resumee ist, dass dies eine wunderbar ruhige Stimmung schafft, "auch weil man nichts umtauschen muss."
Wohin sich wenden, wenn man trotz allem nichts findet? Herr Schausberger greift bereitwillig ins virtuelle Kaufparadies "Internet".
(tn)
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