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Matjesfilet, Bremer, fritierter Tintenfisch, Scampi, Garnelen, Paella, Thunfischpizza. Alles, was des Fischers Herz und Gaumen begehrt, wartet nur darauf, an Land gezogen zu werden. Bars, Buden und Verkaufsstände im Schiffs-Design bevölkern zwölf Tage lang die ansonsten karge Steinwüste des Bahnhofsplatzes. Doch auch Schaulustige, die bei Fisch und Krustentieren nur an im Hals steckende Gräten denken, kommen auf ihre Kosten. Das Angebot beinhaltet neben der Vielzahl an Meeresgetier zahlreiche schuppenlose Gerichte von Crêpes bis zu gegrillten Maiskolben.
Spätestens bei einem kühlen, friesisch-herben Bier werden Berge und Almhütten vergessen und von einer frischen Nordseebrise hinfortgefegt. Für hartnäckige Alpenländer helfen andere hochprozentigere Wässerchen, wie Küstennebel oder Doppelkorn nach.
Der Bahnhof im Strahlen des Leuchtturms
Im Zentrum steht der Leuchtturm – das Wahrzeichen des Fischmarktes, der im Gewimmel auch einmal als Orientierungs- oder Treffpunkt seine Dienste leistet. Neben kulinarischen Leckerbissen kann man auch Praktisches für die hauseigene Kajüte erwerben. Das lautstark angepriesene Treibgut reicht vom superstarken Herdreiniger über den sagenhaften Allesschärfer bis zum segeltörntauglichen Geldbeutel. Seemansgarn natürlich inbegriffen.
Wie alles begann
Die Geschichte des Hamburger Fischmarktes reicht bis ins Jahr 1703 zurück und geht auf die Notwendigkeit zurück, den Fischern, die erst am Wochenende vom Fang zurückkehrten, eine Verkaufsmöglichkeit zu bieten. Um zu verhindern, dass die Fischer nach langen Tagen auf hoher See "nicht in eußersten Ruin gerathen", wurde ihnen erlaubt, "des Sonntags Morgen bis die Glocke halbe neune", d. h. bis der Gottesdienst begann, ihre Ware in der großen Elbstraße, nahe der Hamburger Grenze, zu verkaufen. Im August des besagten Jahres wurde diese Bestimmung in der "Magistratus-Verordnung wegen der Fische" erlassen und damit die Keimzelle für den bis ins 21. Jahrhundert andauernden Erfolg gelegt.
Es gibt eigentlich nichts, das es hier nicht gibt
Heute bauen etwa 700 Händler ihre Stände auf einer Fläche von 21.000 Quadratmetern auf. Jeden Sonntagmorgen von 5 bis 9.30 (von Oktober bis März ab 7 Uhr) spielt sich ein ähnliches Spektakel wie aktuell in der Mozartstadt ab. Natürlich gibt es auch noch frische Fische, lebend oder küchenfertig zubereitet. Das Angebot hat sich aber gewaltig ausgedehnt. Es gibt eigentlich nichts, das es hier nicht gibt. Das fröhliche Treiben bleibt auch bei weitem nicht auf Hamburg beschränkt. Neben Ausflügen ins ferne Österreich stehen regelmäßige Deutschland-Tourneen auf dem Programm, die Hamburger Flair von Berlin bis nach Bayern bringen.
(quass & bollig)
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